Motorradfahren mit Herz und Verstand

Mit Copilot

Das Motorradfahren zu zweit ist eine reine Vertrauenssache. Auf beide muss Verlass sein.

Schnell mal aufsitzen und eine kleine Spritztour machen kann tödlich sein, hält man sich nicht an die Grundregeln!

Damit das Fahren zu Zweit Spass macht und nicht zur Falle, hier ein paar nützliche Tipps für Fahrer und Copilot.


Die Vorbereitung des Motorrades

Fast jedes Motorrad kann auf die aktuelle Belastungssituation angepasst werden. Vor der Fahrt mit Copilot sollte man die Federelemente an die veränderte Belastung anpassen. Das bedeutet bei den meisten Motorrädern ein Vorspannen der Heckfeder. Je nach Hersteller funktioniert das über einen Hakenschlüssel oder ein Handrad. Um die richtige Vorspannung zu erzielen, sollte man folgende Grundregel einhalten: Nach dem Aufsitzen von Fahrer und Beifahrer sollte der Negativfederweg, damit bezeichnet man das Einfedern bei Belastung, ein Drittel des Gesamtfederweges betragen. Wer ein Motorrad mit einstellbarem Federbein besitzt, kann auch noch die Druck- und Zugstufendämpfung erhöhen. Ist die Gabel einstellbar, wie bei vielen Sportlern, kann diese härter eingestellt werden, um beim Bremsen allzu starkes Einnicken zu verhindern. Nicht zu vergessen, den Reifenluftdruck hinten auf den vom Hersteller angegebenen Maximaldruck zu bringen. Radialreifen können ab einer 160er Baubreite 2,9 - 3,1 bar vertragen. Am Vorderrad ist nur geringe Druckerhöhung notwendig, da die Radlast nur unwesentlich erhöht wird, 0,2 - 0,3 bar Erhöhung reichen in der Regel aus, d.h. 2,5 - 2,7 bar. Wichtig ist, dass die Bremsstabilität und die Lenkpräzision erhalten bleibt.

Die Fahreigenschaften mit Copilot

Das Fahren mit Copilot verändert die gesamte Dynamik von Mensch und Maschine deutlich. Das Vorderrad wird leicht und neigt gerade beim starken Beschleunigen dazu, abzuheben. Die Lenkimpulse werden weniger exakt übertragen, da die Haftung geringer ist. Auf dem Hinterrad sackt die Maschine deutlich ein und verändert dadurch ebenfalls die gewohnte Handlichkeit. Beim Bremsen wird die dynamische Radlastverschiebung extremer, da sich der Maschinenschwerpunkt nach hinten und oben verlagert. Bei normaler Fahrweise lasten ca. 80 % des Gesamtgewichtes auf dem Hinterrad. Das Vorderrad wird entlastet und kann im ungünstigen Fall ein verstärktes Lenkerflattern bewirken. Deshalb niemals freihändig fahren. Das Fahren mit Copilot bedeutet eine wesentlich höhere Belastung der hinteren Federn, Dämpfer und der Reifen, was zu einer nicht unerheblichen Veränderung des Fahrverhaltens führt. So kann ein pumpendes oder durchschlagendes Heck das gewohnte Fahren auf der idealen Kurvenlinie scheitern lassen. Weich abgestimmte Federung der Maschine oder kurze Federwege bringen gerade auf längeren Strecken keinen Spass für den Copiloten. Auch ein gut ausgestatteter Copilot, der vielleicht seine 70 - 80 kg auf die Waage bringt, kann selbst stark ausgerüstete Motoren bei Überholvorgängen oder im Berg zum Grübeln bringen. Der Bremsweg in starkem Gefälle wird deutlöich zunehmen.

Sportler bieten nur wenig Platz und Sicherheit für den Copiloten


Ein Fahrer, der sich beim Fahren mit Copilot nicht auf die veränderte Dynamik einstellt, handelt grob fahrlässig.


Das sollte der Copilot beachten

  • Hast du als Copilot absolutes Vertrauen in deinen Fahrer?
  • Besitzt du die notwendige Sicherheitsausrüstung? Helm, Bekleidung, Handschuhe, Schuhe. Für den Beifahrer gelten die gleichen Regelnd wie für den Fahrer.
  • Trotz einer gewissen Grundspannung des Körpers immer locker bleiben.
  • Eine aufrechte Sitzposition (Brust raus) verhindert das häufige Aneinanderschlagen der Helme aufgrund der Massenträgheit beim Bremsen oder der Zugkraftunterbrechung beim Heraufschalten.
  • In einer Linie mit dem Fahrer bleiben. Die Bewegungen des Fahrers mitmachen, der leichte Körperkontakt hilft dabei, auch wenn es in die Schräglage geht.
  • Nicht in Panik geraten, wenn Maschinenteile mal am Asphalt kratzen, einige Motorräder können schon sehr schräg liegen, ohne in Gefahr zu geraten.
  • Niemals in der Kurve aufrichten. Damit arbeitet man gegen den Fahrer, der dann noch mehr Schräglage schaffen muss, um gegen die veränderte Fliehkraft anzuarbeiten.
  • Abrupte Bewegungen vermeiden.
  • Wenn Fahrer und Copilot eine Einheit bilden, ist das ideal. Der weit hinten sitzende Copilot verändert die Fahreigenschaften negativ, den nah am Fahrer sitzende Copilot bringt den Schwerpunkt in die Mitte der Maschine und wirkt dadurch positiv  auf die Fahreigenschaften und Beherrschbarkeit der Maschine.
  • Bitte nicht zurücklehnen, auch wenn so manche Sissy-Bar dazu einlädt und dem Copiloten ein Stück Sicherheit vorgaukelt.
  • Man hält sich besser leicht an der Fahrertaille fest, als an seitlichen Grifen oder dem Gepäckträger.
  • Bei sehr starkem Bremsmanöver die Arme am Fahrer vorbei und auf dem Tank abstützen.
  • Immer mitdenken. Nicht nur an der Ampel beim Start, sondern während der gesamten Fahrt.
  • In Kurven immer über die Schulter des Fahrers schauen, die in die Kurve zeigt.
  • Die Füße bleiben immer auf den Fußrasten, damit man dem Fahrer die Balance der Maschine erleichtert.


Beim Bremsen das Abstützen am Tank

Das sollte der Fahrer beachten

  • Du übernimmst die volle Verantwortung für deinen Copiloten!
  • Besitzt dein Copilot die notwendige Sicherheitsausrüstung? Helm, Bekleidung, Handschuhe, Schuhe. Dein Copilot ist genauso verletzlich wie du selbst.
  • Vor Fahrtantritt, gerade unerfahrene Copiloten in die Grundregeln einweisen
  • Immer sanft anfahren, schalten und bremsen.
  • Vor dem starken Beschleunigen mit dem Copiloten abstimmen, durch Sprache oder Handzeichen. Der Copilot sollte sich nicht erschrecken.
  • Hohe Dauergeschwindigkeit belasten die untrainierte Nackenmuskulatur des Copiloten extrem.
  • Häufiger mal eine Pause einlegen und mit dem Copiloten über die Erlebnisse, Erfahrungen und ggf. notwendige Verhaltensänderungen sprechen. Ein vernünftiger Dialog verbessert die nachfolgenden Kilometer.
  • Wenn möglich vor Hindernissen, Schlaglöchern, Bodenwellen frühzeitig warnen.
  • Die Bitten des Copiloten ernst nehmen und die Fahrweise darauf einstellen.
  • Extreme Schräglagen und Überholmanöver auf Tuchfühlung vermeiden.
  • Sicherheit vermitteln, Angst nehmen.
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