Motorradfahren mit Herz und Verstand

Entspannt fahren

Die progressive Muskelentspannung ist beim oder vor dem Motorradfahren sehr wichtig. Sie ist leicht durchführbar,es braucht nur wenige Minuten Zeit bevor man durchstartet.
Dieses bewußte Anspannen bestimmter, für's Motorradfahren besonders wichtigen Muskeln und das anschließende Entspannen mit dem damit verbundenen g… Feeling kann auch während der Fahrt erfolgen, nur eben nicht so ausführlich und „relaxend“.

Dabei sitzt man auf seinem Motorrad, welches vornehmlich auf dem Hauptständer steht (bei spärlicher Ausstattung müssen die Füße halt unten bleiben). Wichtig ist, eine Position zu finden, in der der Oberkörper weder nach vorn noch nach hinten gehalten werden muß. Ist man sozusagen ausgemittelt, schließt man die Augen senkt den Kopf, laßt die Hände dort ruhen, wo es bequem ist.

Anschließend wird eine gedankliche Reise durch den eigenen Körper unternommen, betreffend der Atmung, der Schultern, der Gesichtsmuskulatur (Kaumuskulatur, Unterlippe), Arme und Hände, sowie der Gesäßmuskulatur.

Als Tipp kann ich Euch geben, daß wenn ihr in solchen Psychodingen untrainiert seid, ihr euch am besten ein stilles ungestörtes Plätzchen dafür raussucht. Es braucht ein paar Anläufe, bis man völlig in sich gehen kann, aber es lohnt sich. Vor allem dann, wenn man bemerkt, daß man nach einer längeren Motorradtour keinen steifen Hals oder gar Muskelkater hat.


1. Übung: Atmung

Beobachte deine Atmung. Wie du ausatmest, wie du einatmest. Spüre deinen Oberkörper beim Einatmen größer werden, spüre, wie er mit jedem Ausatmen noch ein Stück weiter in sich zusammensinkt. Schau von außen zu- es atmet dich, es geht ganz automatisch. Vielleicht kannst du dich schon auf den Zeitpunkt nach dem Ausatmen konzentrieren, bevor du wieder einatmest. Die sogenannte Atempause, der Zustand, in dem sich dein Körper am meisen entspannt.

Beobachte als nächstes deine Kaumuskulatur und deine Lippen.


2. Übung: Kaumuskulatur, Unterkiefer Lippen.

Klemme die Backenzähne aufeinander, als ob du eine Nuß knacken wolltest. Presse die Lippen aufeinander, so wie man es oft tut, wenn man etwas ganz schweres heben muß. Wenn du das anschließende Gefühl einer entspannten Gesichtsmuskulatur verstärken möchtest, dann drück deine Zunge fest an den oberen Gaumen.

Halte diese Anspannung/Verkrampfung für ein paar Sekunden.
Dann löse die Anspannung und atme gleichzeitig aus. Der Mund ist leicht geöffnet, die Zunge liegt auf der unteren Zahnreihe.

Spüre die Entspannung der Kaumuskulatur, dieses Gefühl des länger werdens des Kiefers, der völlig entspannten Unterlippe, die größer zu werden scheint und genieße diesen Zustand.

Wandere anschließend gedanklich weiter zu deinen Schultern und deinem Nacken.


3. Übung: Schultern/Nacken

Zieh beide Schultern hoch, so hoch es geht, bis zu den Ohren und halte diese Anspannung für ein paar Sekunden. Dann laß beide Schultern schlagartig absinken, während du tief ausatmest. Nun konzentriere dich auf deine Empfindung im Nacken und den Schultern.
Spüre dieses warme wohlige Gefühl im Nacken, das sich fächerförmig bis hin zu beiden Schultern ausbreitet. Spüre die Schwere deiner Schultern und stell dir vor diese würden Aufzug fahren. Ein Fahrstuhl, der von der Ausatmung angetrieben, abwärts fährt. Und mit jedem mal Ausatmen fallen die Schultern noch ein bißchen tiefer. Konzentriere dich noch einen kurzen Moment auf die Schwere deiner Schultern und den entspannten Nacken und genieße dieses Gefühl.

Wandere nun gedanklich weiter zu Oberarmen, Unterarmen und Händen.


4. Übung: Arme/Hände

Spann die Muskulatur der Arme hart an und ball beide Hände zu Fäusten, so fest, daß die Handinnenflächen brennen und die Arme zittern.
Halte diese Spannung für ein paar Sekunden- bis es nicht mehr geht- ganz fest anspannen!!
Löse die Anspannung schlagartig während du ausatmest und spüre ganz bewußt , wie sich die betreffenden Muskelpartien entspannen.
Wie sich die Oberarme entspannen, die Unterarmmuskulatur zum Einschlafen neigt, die Hände leicht öffnen und die Handinnenflächen kribbeln.
Genieß dieses Gefühl und laß die ganze Verkrampfung- wie bei einer Sanduhr den Sand- gedanklich langsam zu den Fingerspitzen heraus rieseln.
Die Arme liegen schwer und faul auf ihrem Plätzchen, jeglicher Gedanke nun etwas heben oder festhalten zu müssen ist dir zuwider, so faul sind die Arme.
Genieße auch dieses Gefühl so lange du möchtest, dann wandere gedanklich weiter abwärts zum wahrscheinlich wichtigsten Körperteil beim Motorradfahren, deinem „Popometer“.


5. Übung: Gesäßmuskulatur

Spann die Gesäßmuskulatur so kräftig wie möglich an. Stell dir vor, du müßtest die Prägung eines 2-Euro-Stücks, das zwischen deinen Pobacken klemmt, herausdrücken.
Halte diese Anspannung, so lange du kannst, aber volle Kanone klemmen!!
Dann löse die Anspannung und atme gleichzeitig aus.
Die Sitzfläche wird breit, es kommt praktisch zur Hochzeit zwischen Sitzbank und Sitzfläche!!
Wenn du nun das Gefühl hast, im Motorrad zu sitzen, anstatt nur drauf, ist`s genau richtig.

Genieße den Zustand, in dem du dich nun befindest noch ein Weilchen: Die entspannte Gesäßmuskulatur, die schwer nach unten hängenden Schultern, die „sandleeren“ Arme, die lockere Unterlippe bis hin zur immer noch gleichmäßig und ruhigen Atmung.
Genau so solltest du dich beim Motorradfahren fühlen, wie ein „Gummimännchen bzw.- frauchen“.

Um in die Realität zurückzukehren, öffne die Augen, streck dich und reck dich, atme tief ein.
Du wirst dich sicher etwas schläfrig, dennoch aber wohl fühlen.
Wenn dein Motorrad ebenfalls fit ist, steht einem gemeinsamen Ausflug nichts mehr im Wege.

Valid HTML 4.01 Transitional