Motorradfahren mit Herz und Verstand

Sitzen und Blicken

Wie man sich „sitzt“, so fährt man


Wenn man das Gefühl hat , mittendrin im Motorrad zu sitzen, dann ist`s genau richtig.

Man sollte keine Spannung aufkommen lassen, den Körper „hängen“ lassen (wie ein Kartoffelsack), die Arme stets angewinkelt , die Hände nur locker auf die Lenkerenden aufgelegt, die Knie an den Tank anlegen.

Wichtig ist das bewußte Ausatmen immer wieder während der Fahrt, denn Ausatmen bedeutet Entspannung und nur ein entspannter „Popometer“ spürt sein Motorrad richtig.

Der Grad der Lockerheit und der Entspannung zeigt recht gut den Grad der Beanspruchung. Steigende Beanspruchung geht in der Regel mit steigender Anspannung und steigender Verkrampfung einher. Die Verspannung strahlt übrigens immer von der Kaumuskulatur aus. Ihr habt diese Erfahrung bestimmt auch schon im Regen oder in einer Schrecksituation gemacht: Die erste Reaktion ist das Aufeinanderbeißen der Zähne, das Verkrampfen der Kaumuskulatur. Von dort aus strahlt die Verkrampfung auf das Gesicht, den Hals, den Nacken und die Schultern aus.

Kommt man ständig in solche Situationen, weil man sich ständig überfordert, hat dies zur Folge, daß man nach geraumer Zeit völlig verkrampft und verspannt auf dem Motorrad sitzt. Die Konsequenz daraus ist eine schnelle Ermüdung und unökonomischeres Handeln. Man strengt sich heftig an und bewirkt immer weniger, weil der Wirkungsgrad sinkt.

Im Schreck spannt man sich zunächst völlig an, man erstarrt förmlich. Und dann, wenn die erschreckende Situation vorbei ist, wenn es, hoffentlich gerade noch mal gut gegangen ist, atmet man erleichtert aus und läßt sich förmlich zusammenfallen. „Puuuhhh!!!“

Genau dies ist, praktisch im Zeitraffer, der Prozeß der Entspannung, den man trainieren kann: erst anspannen, dann loslassen. Siehe "Entspannt fahren".

Blick

Der Blick führt die Bewegung, es ist also ein sensomotorisches Grundgesetz. Man stelle sich eine Bedienung im Restaurant vor, die ihr vollbeladenes Tablett – die Gläser bis zum Rand gefüllt (also eine gute Kneipe, hihi) – vor sich trägt und direkt darauf starrt. Sicherlich ist das daraus resultierende „Wackelphänomen“ bekannt, zumindest ein paar Schluck der Getränke befände sich anschließend auf dem Tablett und nicht im Glas.

Und sicher wären sich die Gäste einig: „Der/Die macht diesen Job noch nicht lang!“

Die versierte Bedienung schaut zum „Zielobjekt Gast“ bzw. sucht sich schon aus weiter Ferne den günstigsten Weg dorthin und das Tablett wird locker, ohne darauf zu schauen von der Theke zum Gast befördert. So bleibt die Kostbarkeit, wo sie zunächst hingehört, nämlich im Glas!

Fernglasblick

Schaut man auch beim ganz langsamen fahren (Schneckentempo) weit voraus – so getaufter Fernglasblick – zu einem markanten Punkt (Baum, Zaun…), sind Arme und Hände ruhiger und machen somit weniger unnötige Gegenlenkmanöver. Der Gleichgewichtssinn ist „geschärft“, der Popometer entspannter und dadurch sensibler für die tatsächliche Bewegungen des Motorrades.

Und: Wenn man weit vorausschaut, nimmt man Schlaglöcher, Steine o.ä. ebenfalls wahr – nur eben früher.

Also:
Blick weit voraus – „Fernglasblick“

Die richtige Blickführung ist ebenso Grundvoraussetzung für gleichmäßiges Kurvenfahren. Wer sich dabei ertappt, daß die Kurvenlinie etwas eirig oder kartoffelig wirkt, sollte zu aller erst seine Blickführung kontrollieren. Beim Heranfahren an die Kurve ist durch weites Vorausschauen (also Hineinschauen in die Kurve) eine möglichst frühe Einschätzung des Kurvenverlaufs anzustreben, um das Tempo vor der Kurve entsprechend regulieren zu können. Der Blick pendelt vom Motorrad aus weit voraus tief in die Kurve und sucht möglichst früh das Kurvenende. Diese Wahrnehmungstechnik, die Trennung von Fahrt- und Blickrichtung, ist Grundvoraussetzung für das Gelingen der Kurvenfahrt (die übrigens auch ganz langsam sein kann, so z.B. beim Wenden oder „Spitzkehrenfahren“).

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