Motorradfahren mit Herz und Verstand

Gefahren

Autofahrer und Motorradfahrer – Eine Begegnung mit Risiken:

Rund 2/3 aller Motorradunfälle ereignen sich innerorts. Häufigste Unfallursache ist dabei die Kollision mit anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere mit Pkw.
Besondere Gefahrenquelle für uns Biker ist natürlich der Kreuzungsbereich. Am häufigsten kracht's in der Konstellation: Motorradfahrer fährt auf der Vorfahrtsstraße – Pkw biegt von rechts oder links in die Vorfahrtstraße ein oder überquert diese. Dicht gefolgt in der Rangliste der häufigsten Unfälle ist der entgegenkommende Linksabbieger, der dem Motorradfahrer den Vorrang nimmt.
Auch die Wendemanöver von Pkw, der Spurwechsel und das Überholen stellen für den Motorradfahrer besonders kritische Aktionen dar.
Rechtlich betrachtet überwiegt bei den Kollisionsunfällen das Verschulden der PKW-Fahrer.
Bei genaueren Betrachtungsweise fällt jedoch häufig auf, dass der beteiligte Motorradfahrer durch entsprechende Fahrweise, d. h. Voraussicht, den Unfall hätte verhindern können oder zumindest die Unfallfolgen mindern. Unangepaßte Geschwindigkeit, Überschätzung des eigenen Reaktionsvermögens, Unkenntnis einer Gefahrenquelle oder schlichtweg „Gottvertrauen“ sind wohl einige Punkte, die sich ein „verunfallter“ Motorradfahrer gelegentlich zumindest seelisch-moralisch anlasten sollte.
Die viel getönte Aussage: “Der hat mich einfach abgeschossen, ich konnte gar nichts dafür!“ ist relativ oberflächlich. Die meisten Unfälle passieren eben nur, wenn beide Unfallgegner einen Fehler gemacht haben, vielleicht auch nur ein bisschen zu unaufmerksam waren.
Man muß als Biker eben davon ausgehen, dass die PKW – Fahrer, die sich um mich herum befinden, keinen blassen Schimmer von meiner „Motorradwelt“ haben und darf mich niemals darauf verlassen, dass mich alle sehen, meine Geschwindigkeit richtig einschätzen oder dass sie mir grundsätzlich wohlgesonnen sind.
Den meisten Autofahrern fehlen eigene Erfahrungen mit dem Motorrad, viele sind auch mit der Bedienung ihres Fahrzeugs so beschäftigt, daß die Verkehrsbeobachtung in erheblichem Maße darunter leidet. Viele berücksichtigen die toten Winkel zu wenig oder kennen sie gar nicht. Die schmale Silhouette des Motorradfahrers verschwindet für den Pkw-Fahrer schnell hinter dem Dachholm oder anderen Sichthindernissen wie Pfosten, Schildern oder ähnlichem. Auch Konkurrenz oder Neidgefühle können im Spiel sein, wenn so mancher Autofahrer denkt: Soll doch der Biker bremsen, der ist sowieso zu schnell! Oder: Soll der mit seiner Maschine doch ein bisschen ausweichen, der ist doch wendiger (ein gefährlicher Trugschluß aus Unkenntnis). Autofahrer unterschätzen häufig den Platzbedarf eines Motorrades in Schräglage, fahren dicht von hinten auf oder überholen sehr knapp, weil sie nicht um die speziellen Probleme der Biker (kritischer Fahrbahnbelag, Sogwirkung, Spritzwasser…) wissen.
All das muß ich als Biker wissen und bei meiner Fahrweise einkalkulieren, denn den Kürzeren zieht im Zweifel nie der Autofahrer, sondern ich.

Einige Gefahrsituationen entstehen überraschend, weil manche Motorradfahrer nicht bewußt wahrnehmen: Sie schauen nicht auf die richtige Stelle im richtigen Augenblick.
Oder sie unterliegen einer Fehleinschätzung beim Überholen, indem sie die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs unterschätzen bzw. das eigene Beschleunigungsvermögen überschätzen, und einmal begonnene Überholmanöver nicht mehr abbrechen können, weil es nicht gelingt, fix umzudisponieren.


 
Überlegen

Einige Motorradfahrer glauben tatsächlich, sie seien einem eiligen Autofahrer auf einer Kurvenstrecke mit dem Motorrad überlegen. Häufig machen sich auch Biker Illusionen über die Wendigkeit ihrer Maschine oder über die eigenen Bremskünste.

Wird es richtig brenzlig, werden häufig bestehende Lücken nicht genutzt, weil wie ein „Hypnotisiertes Karnickel“ auf die Gefahrenquelle gestarrt und nicht die Lücke gesucht wird. Viele Motorradfahrer verlassen sich allzu oft fälschlicherweise auf den kurzen Blickkontakt zu Autofahrern und auf deren Bereitschaft anzuhalten, dabei kommt es oft vor, daß der einen sogenannten „Gucker“ (leeren Blick) hatte. Schauen bedeutet eben nicht gleichzeitig bewußtes wahrnehmen.

Bei Touren ist man als Biker auch versucht, wenigstens ein bißchen von der reizvollen Landschaft zu erhaschen und es fällt schwer, Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht zu erhalten. Dazu kommen natürlich auch noch gruppendynamische Ereignisse.



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