Motorradfahren mit Herz und Verstand

Grundfahrübungen

Ein Motorrad nach Erreichen der Eigenstabilität (ab ca. 20 km/h) zu fahren ist eigentlich kein Problem. Die Beherrschung des Motorrades zeigt sich aber gerade in den langsamen Übungen, die immer wieder geübt und verbessert werden solten. Auch der langjährige Fahrer sollte gerade nach der Winterpause wieder einmal an diese Übungen herangehen.

Die Nachfolgende Beschreinbung der Grundfahraufgaben ist entnommen aus: "Das neue Lehrbuch. Motorrad fahren. Ergänzungsband. Spezialwissen für die Klassen A/A1/M. 8. Auflage. Degener Lehrmittel GmbH.". Die schematischen Zeichnungen sind eigene Kreationen.

In der praktischen Prüfung soll durch korrektes Fahren der Grundfahraufgaben gezeigt werden, dass
  • ein Kraftrad der Klasse A, A1 oder M beherrscht wird,
  • die Grundbegriffe der Fahrphysik bekannt sind und richtig angewendet werden.
Alle Aufgaben sind
  • sitzend zu fahren,
  • in der Ebene durchzuführen.
In einer Prüfung muss durchgeführt werden:
bei der Klasse A oder A1
  • der Slalom in Schrittgeschwindigkeit (Aufgabe 1)
  • die Bremsaufgabe (Aufgabe 2)
  • die Ausweichaufgabe (Aufgabe 3)
  • eine Slalomaufgabe (Aufgabe 5 oder 6)
  • eine weitere Aufgabe der Nummern 7, 8 oder 9
bei der Klasse M
  • die Slalomaufgabe (Aufgabe 5)
  • die Bremsaufgabe( Aufgabe 2)
  • die Ausweichaufgabe (Aufgabe 3) oder die Brems-/Ausweichaufgabe(Aufgabe 4)
  • eine weitere Aufgabe bei langsamer Geschwindigkeit (Aufgabe 7, 8 oder9)

Eine Zusammenfassung der Grundfahrübungen steht zum Download als PDF-Datei zur Verfügung. Die Datei kann ausgedruckt und im praktischen, schmalen Spaltenformat zur Übungsstunde mitgenommen werden.



Als diesjähriges Übungsgelande haben wir das Gewerbegebiet Wildenrath/Wassenberg ausgewählt, das abgelegen vom Hauptverkehr gute Übungsmöglichkeiten bietet.
Aufgabe 1: Fahren eines Slaloms mit Schrittgeschwindigkeit



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Durchfahren einer Slalomstrecke (6 Leitkegel, Abstand 3,5 m) mit Schrittgeschwindigkeit (ca. 5 km/h).
  • Beibehaltung des Gleichgewichts.
  • Richtige Handhabung von Kupplung und Bremse.
Fehlerbewertung:
  • Überschreiten der Schrittgeschwindigkeit.
  • Auslassen eines Feldes.
  • Umwerfen des Leitkegels.
  • Absetzen eines Fußes auf die Fahrbahn.


Aufgabe 2: Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Kraftrad unter gleichzeitiger Benutzung beider Bremsen mit höchstmöglicher Verzögerung aus einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h zum Stillstand bringen, ohne dass das Kraftrad wesentlich von der Fahrlinie abweicht.
  • Die Aufgabe setzt voraus, dass sichergestellt ist, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist, deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegelbenutzung und Schulterblick) vor Beginn der Bremsung nicht erforderlich.
  • Blockieren des Hinterrades wird nicht beanstandet, wenn das Kraftrad stabil gehalten wird.
Fehlerbewertung:
  • Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit.
  • Nichterreichen der notwendigen Verzögerung.
  • Benutzung nur eines Bremshebels.
  • Wesentliches Abweichen von der Fahrlinie.
  • Abwürgen des Motors.


Aufgabe 3: Ausweichen ohne Abbremsen



Inhalt der Grundfahraufgabe:

  • Beschleunigen auf etwa 50 km/h, vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren.
  • Das Ausweichen darf frühestens 9 m vor der markierten Stelle beginnen.
  • Die Aufgabe setzt voraus, dass sichergestellt ist, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist, deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegelbenutzung und Schulterblick) vor Beginn desAusweichens nicht erforderlich.
Fehlerbewertung:
  • Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit.
  • Zu frühes oder nicht ausreichendes Ausweichen.
  • Bremsen vor Wiedererreichen der Fahrlinie.
  • Nichtauskuppeln.
  • Die ursprüngliche Fahrlinie wird nicht annähernd wieder erreicht.
  • Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von den Fußrasten.
  • Umwerfen des zweiten Leitkegels.


Aufgabe 4: Ausweichen nach Abbremsen



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Beschleunigen auf etwa 50 km/h, dann rechtzeitig kurz abbremsen und nach Lösen der Bremsen mit einer Geschwindigkeit im eigenstabilen Bereich (ca. 30 km/h) vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren.
  • Das Ausweichen darf frühestens 7 m vor der markierten Stelle beginnen.
  • Die Aufgabe setzt voraus, dass sichergestellt ist, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist, deshalb ist eine Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs (Spiegelbenutzung und Schulterblick) vor Beginn desAusweichens nicht erforderlich.
Fehlerbewertung:
  • Zu geringe Ausgangsgeschwindigkeit.
  • Zu frühes oder nicht ausreichendes Ausweichen.
  • "Herumlenken" des Kraftrades um die Leitkegel.
  • Nichtlösen der Bremsen beim Ausweichen oder Bremsen vor Wiedererreichen der Fahrlinie.
  • Die ursprüngliche Fahrlinie wird nicht annähernd wieder erreicht.
  • Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von den Fußrasten.
  • Umwerfen des zweiten Leitkegels.


Aufgabe 5: Slalom



Inhalt der Grundfahraufgabe:

Eine Slalomstrecke (Länge ca. 50 m, 5 Leitkegel, Abstand 7 m) mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h durchfahren.

Fehlerbewertung:
  • Zu geringe Geschwindigkeit.
  • Auslassen eines Feldes.
  • Umwerfen eines Leitkegels.
  • Berühren der Fahrbahn mit einem Fuß.


Aufgabe 6: Langer Slalom



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Eine Slalomstrecke (Länge ca. 80 m, 5 Leitkegel, Abstand 9 m, anschließend 2 Leitkegel, Abstand 7m) mit einer Anfangsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h mit annähernd gleich bleibender Geschwindigkeit durchfahren.
  • Die Aufgabe darf nicht im ersten Gang gefahren werden.

Fehlerbewertung:
  • Zu geringe Geschwindigkeit.
  • Auslassen eines Feldes.
  • Umwerfen eines Leitkegels.
  • Berühren der Fahrbahn mit einem Fuß.


Aufgabe 7: Fahren mit Schrittgeschwindigkeit geradeaus



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Der Bewerber hat eine Strecke con ca. 25 m mit Schrittgeschwindigkeit unter Beibehaltung des Gleichgewichts und mit richtiger Handhabung von Kuppung, Gas und Bremse geradeaus zu fahren.

Fehlerbewertung:
  • Überschreiten der Schrittgeschwindigkeit.
  • Starkes Abweichen von der Geraden (mehrfaches Abweichen von der Geraden um mehr als 30 cm nach links oder rechts); die ersten 5 m nach dem Anfahren werden nicht bewertet.
  • Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von der Fußraste.


Aufgabe 8: Stop and Go



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Mehrfaches Anfahren und Anhalten.
  • Abgestimmtes Betätigen von Gas, Kupplung und Bremse.
  • Füße nur zum Abstützen des Kraftrades im Stand von den Fußrasten nehmen und auf die Fahrbahn absetzen. Dabei soll gezeigt werden, dass die Neigung des Kraftrades nach der einen oder anderen Seite bewusst erfolgt, indem zunächst zweimal der eine und dann zweimal der andere Fuß abgesetzt wird.
  • Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs ist nur beim ersten Anfahren erforderlich.

Fehlerbewertung:
  • Anfahren im falschen Gang.
  • Abwürgen des Motors.
  • Füße nicht auf den Fußrasten, außer zum Abstützen beim Anhalten.
  • Absetzen der Füße nicht wie beschrieben.


Aufgabe 9: Kreisfahrt



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Einfahren in einen Kreis mit einem Halbmesser von 4,5 m (eine Markierung des Kreises ist nicht erforderlich), mehrfaches Kreisfahren und Verlassen des Kreises.
  • Die Kreisfahrt kann wahlweise in die eine oder die andere Richtung verlangt werden, auf öffentlichen Straßen jedoch nur nach links.
  • Die Geschwindigkeit ist so zu wählen, dass Schräglage entsteht.
  • Die Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs ist nur vor dem Einfahren in den Kreis erforderlich.


Fehlerbewertung:
  • Starkes Abweichen vom vorgegebenen Halbmesser.
  • Starkes Abweichen von der Kreisform.
  • Herunternehmen eines Fußes oder beider Füße von der Fußraste.
  • Fahren im falschen Gang.
  • Schräglage ist nicht festzustellen.


Aufgabe 10: Anfahren im Berg
(bei dieser Aufgabe handelt es sich nicht um eine Grundfahrübung im Sinne der Prüfungsordnung)



Inhalt der Grundfahraufgabe:
  • Anhalten in einer Steigung von max. 10 %.
  • Anfahren in einer Steigung von max. 10 %.
  • Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs ist nur beim Anfahren erforderlich.
Fehlerbewertung:
  • Anfahren im falschen Gang.
  • Abwürgen des Motors.
  • Zurückrollen des Kraftrades.
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